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Offener Brief an den Bürgermeister, den Rat und die Verwaltung der Stadt Marsberg zur geplanten Schließung des Lehrschwimmbeckens "Am Burghof" Drucken E-Mail
Geschrieben von: Herbert Piechulek, Andreas Klauke und Ralf Kazimirowicz   
Montag, den 03. September 2012 um 10:00 Uhr

Aus dem Artikel „Sechs Millionen Euro für Marsberg […]“ der Westfalenpost vom 1. September mussten Vereinsvertreter aus Marsberg erfahren, dass das Lehrschwimmbecken „Am Burghof“ geschlossen werden soll. Die Betroffenen wurden lediglich durch die Presse informiert. Eine frühzeitige Ansprache der betroffenen Nutzer beziehungsweise eine gemeinsame Suche nach anderen Lösungen durch die Stadt erfolgte nicht.

Sollte die Schließung durch den Rat der Stadt in drei Wochen am 25. September 2012 beschlossen werden, wären mehrere Vereine in ihrer Existenz bedroht. Der Schwimmverein Marsberg (SVM) ist einer der am stärksten betroffenen Vereine, da das Becken täglich dienstags bis freitags an zahlreichen Übungsstunden genutzt wird. 750 bis 800 ehrenamtliche Trainerstunden jährlich werden dort für verschiedene Gruppen durch den Verein angeboten, die mittlerweile auch zur regelmäßigen Freizeitgestaltung von über 100 Kindern und Jugendlichen gehören. Das Training und die Teilnahme an Schwimmwettkämpfen sowie die dort erreichten Erfolge stärken Kinder und Jugendliche im Sozialverhalten und sorgen für eine positive Entwicklung. Die bisherige Wettkampfberichterstattung in der Presse und der Marsberger Schwimmertag diente dabei auch der Reputation und Werbung für die Stadt Marsberg. Bei einer Schließung des Bades würde nicht nur das Wettkampftraining entfallen, sondern auch die Schwimmkurse die der SVM seit 2005 beständig durchführt und in denen bisher knapp 300 Kinder in 30 Kursen das Schwimmen erlernten. Die Warteliste ist lang und die Kurse für 2013 bereits ausgebucht. Auch die DLRG und die VHS bieten samstags im Lehrschwimmbecken Schwimmkurse an. Der Nachwuchs der DLRG trainiert in diesem Bad ihre Rettungsfähigkeit und gewährleistet somit einen erheblichen Beitrag zur Sicherheit der Badenden im Diemelsee.

Besonders betroffen ist auch der Behinderten-Sportverein Marsbergs. An drei Tagen in der Woche wird im Lehrschwimmbecken sowohl therapeutisches Schwimmen als auch Wassergymnastik unter fachlicher Anleitung angeboten. Diese Stunden sind Grundlage für bewilligte Reha-Anträge bei Krankenkassen, Berufsgenossenschaften und Landesversicherungsanstalten. Anträge werden von den Trägern nur berücksichtigt, da das spezielle Angebot des Reha-Sportvereins dort anerkannt wird. 50 % der Mitglieder betreiben den Rehasport ohne jegliche finanzielle Unterstützung. Ein Wegfall der Übungsstunden hätte für viele Mitglieder zur Folge, dass die Wiedereingliederung ins Berufsleben nicht mehr gewährleistet werden könne. Bei älteren Mitgliedern würde die wiedergewonnene Lebensqualität beeinträchtigt, da diese Stunden einen äußerst wichtigen Pfeiler im täglichen Leben darstellen. Das Lehrschwimmbecken wird außerdem durch Schulen für den Schwimmunterricht und durch Bewohner und Patienten der Kliniken des Landschaftsverbandes (LWL) genutzt. Wie eine Kompensation all dieser wegfallenden Übungsstunden im Diemeltalhallenbad erfolgen könnte, ist für uns nicht vorstellbar. Es stellt sich zudem die Frage wie hoch die Einsparung bei Schließung des Lehrschwimmbeckens tatsächlich ist, da das Gebäude mit seiner Turnhalle trotzdem weiterhin genutzt wird und somit auch beheizt und instandgehalten werden muss. Es sollte zusätzlich hinterfragt werden, wozu vor nicht allzu langer Zeit große Investitionen in das Lehrschwimmbecken geflossen sind, wenn es jetzt geschlossen werden soll.

Wir würden uns wünschen in einer öffentlichen Gesprächsrunde zum Beispiel unter Leitung des Stadtsportverbandes Marsberg noch vor dem Ratsbeschluss am 25.September mit allen Betroffenen, dem Bürgermeister, dem Rat und der Verwaltung über Lösungsvorschläge zu diskutieren, um eine Schließung zu vermeiden. Zu dieser Gesprächsrunde sollten alle Nutzer des Bades insbesondere Vereinsvertreter, Vertreter von Schulen und Landschaftsverband sowie alle interessierten Bürger eingeladen werden.

Vor dem Hintergrund der geplanten Schließung des Lehrschwimmbeckens wirkt der in der gleichen Ausgabe der WP erschienene Artikel  NRW-Modellprojekt „Schwimmen lernen“ mehr als denkwürdig.

Herbert Piechulek, Vorsitzender Schwimmverein Marsberg e.V.

Andreas Klauke, Vorsitzender Versehrten- und. Behindertensportgemeinschaft Marsberg e.V

und Behinderten-Interessenvertreter der Stadt Marsberg im Hochsauerlandkreis

Ralf Kazimirowicz, DLRG Ortsgruppe Marsberg